Montag, 26. November 2012

Blicke

Und all die Gesichter, die nichts mehr sagen.
Sie laufen an mir vorbei und laufen an sich vorbei.
Dahinter all die Geschichten, ich kann nur raten
Leere Blicke, und leer ist ihr sein,
Es heißt, die Augen seien das Tor zur Seele,
Entweder verschwunden oder nie da gewesen.

Zum Glück gibt es Kinder,

Hab gerade einen Blick gesehen,
Augen, Glückseligkeit dahinter,
Warm, obwohl so blau wie der Winter.

RJK

Freitag, 16. November 2012

Notaufnahme

Halb elf, und ich warte dann mal
Bis die anderen Kranken dran kamen,
Oder Verletzte mit schwankenden Zahlen
Und Werten, die steigen und fallen,
Satz der Schwester, dann dankendes Strahlen,
Nach stummen Gebeten, aufatmen und lachen,
Aufstehen und gehen, Notaufnahme verlassen.

All die, die da saßen, hoffen auf gleiches Glück,
In Gedanken, der Arzt kommt gleich zurück,
Die Stimmung bleibt eingedrückt,
Müde, ungeduldig geduldend der Zeit entrückt.


RJK

Dienstag, 13. November 2012

Der Regen da draußen

Und schon wieder so ein Tag,
in dem ich verloren bin

Du sagtest, komm doch rein,
haben uns lange nicht gesehen,
auch lang nicht mehr gesprochen.
Man staunt wie die Zeit vergeht.
Deine Augen wirkten müde,
Du hast dich weniger gepflegt,
früher waren wir wie Brüder,
heute gehn wir uns aus dem Weg.
Wir habens weit zusammen gebracht
und viel zusammen erlebt,
Du fragst, was ich hier mach,
Ich frag nur, wie es dir geht.
Der Abend verging eher träge,
Als ich weg wollte, war es zu spät,
Wir beschritten schon lang andere Wege,
Und was wir sagten, war nicht überlegt.

Wir hatten viel getrunken
Und stritten immer mehr
Und zwischen den Runden
fielen die Worte uns zu schwer.

Schließlich stand ich einfach auf,
Nahm meine Jacke und verschwand,
Ich ließ dich dort so sitzen,
Mit dem Rücken an der Wand.
Früher wäre ich geblieben
Und hätte alles versucht,
Ich hätte für dich gelogen,
und mich dafür verflucht.


Und schon wieder so ein Tag
In dem ich verloren bin,
Doch hätte ich nicht gefragt,
Wäre der Regen in mir drin.


RJK

Mittwoch, 7. November 2012

Fluss

Und du stehst am Ufer und rührst dich nicht,
Bleibst einfach stehen, starrst auf das Wasser,
Du bist am Ziel der Reise und doch unglücklich,
Betrübt die Füße im Sand, das Leben wird blasser,

Du sitzt dort schon Stunden und nichts,
Schaust in den Himmel und schaust in den Nebel,
Du weißt nicht weiter, kannst nicht zurück,
Du willst null zu eins, findest nur keinen Hebel.

Und so sitzt du am Fluss namens Leben
Und das fließt an dir vorbei,
Du musst all deinen Mut nehmen,
Wenn du willst, dass es dich mitreißt.

Du wünschst dir, du wärst jetzt zu zweit,
Allein ist das Alles viel schwerer,
Du weißt nicht, fragst: Bin ich bereit?
Bereit schon, das Machen viel mehr wert.

Und so sitzt du am Fluss namens Leben
Und das fließt an dir vorbei,
Du musst all deinen Mut nehmen,
Wenn du willst, dass es dich mitreißt.

Und du willst, willst dich befreien,
Der Sprung lauert, du hast selbst gewählt,
Es ist leicht, also lass es leicht bleiben,
Du schaust zurück, und du vergisst, was dich quält.

Und du springst.



RJK

Samstag, 3. November 2012

Ding am Arm

Ich hab hier so ein Ding am Arm,
Nein, Das sind keine Fingerfarben,
Es zeugt nicht von geringem Charme,
Zeigt nicht Charakterrichtung an.

Es ist wie's ist, und immer da,
Es ist wie's ist, kein Kinderkram,
Es ist schon nicht mehr angenehm
Erst angesehn, dann angefasst.

Ich trag ne Last auch ohne Stahl
Im Arm, der als gebrochen galt,
Ne Platte, Schrauben, Knochen, Halt,
Jetzt ohne: Schmerzen, doch es heilt.

Ach, könnte ich die linke Hand
Verwenden wie die Rechte, dann
Wär alles so viel mehr entspannt,
Kein Schmerz, kein Schnitt und kein Verband.

Ich glaube, ich muss mich gedulden,
Mein Arm bleibt noch in Mull gebunden,
Doch nie ist alles ganz verschwunden,
Ich hoff nur auf den Wunderfunken.


RJK