Die Aufgabe: Schreib eine eigene Satire zu einem selbstgewählten Thema.
Vorschläge: Aus dem Leben eines Schülers/ Lobrede einer Mutter über ihr Kind.
Das kam dabei raus.!
Aus dem Leben eines Schülers.
Ja. Die Schulzeit. Wir werden uns immer mit Freuden daran zurückerinnern. Eine wunderbare Zeit. Vor allem im Winter, wenn ich in Bussen mit kuscheligen -25°C mich handwerkerisch betätige. Aber diese schöne Zeit beginnt ja viel Früher.
So um 5 Uhr. Der Wecker klingelt und meine absolute Lieblingsbeschäftigung besteht aus dem Eindösen und 5minütigem Snoozen. Sobald ich mich gewappnet fühle, wieder einmal einen legendären Tag zu erleben, erhebe ich mich mit einer gekonnten, für jede Turnjury 10Punkte-Rolle aus dem Bett, um dann ähnlich filigran, elegant und anmutig zu landen. Doch das ist lang nicht das Schönste am Schülersein. Dank zugequollener, hoffnungsvoll übermüdeter Augen muss ich mir gar keine Gedanken über das Ranzenpacken machen. Da ich am Vortag zu kreativ war, um profan meine Utensilien zu ordnen, kann ich jetzt gemütlich alles an Heftern und Büchern in die Tasche schmeißen, was ich so finde, weil die verquollenen Augen jede Art von unnötiger Gehirnaktivität, wie Lesen, zu 100 Prozent verhindern. Ich habe höchstens meinen Taschenrechner vergessen, aber das ist kein Problem. Denn ich als höchstintellenter Schüler habe mir eh angewöhnt, Potenz- und Exponentialfunktionen im Kopf zu lösen.
Dann werfe ich mich nach dem Toilettengang und dem Duschen in Schale, damit ich mich, sobald sich das gesamte Frühstücksmüsli auf mir verteilt hat, noch einmal umziehen kann, weil ich mit sowieso zwei Outfits pro Tag leisten kann, jetzt wo das Kindergeld 2010 wieder mächtig erhöht wurde.
Ich bin also bereit für die Schule. nach 15minütigem Fahrradfahren ist auch schon die nächstgelegene Bushaltestelle in Sicht. Beim Einsteigen in das exklusive Reisemobil hüpfe ich innerlich vor Freude, da der Bus vor gähnender Leere den Fahrer nur so ermüdet, dass ich fast den Bus betreten kann, ohne dass meine Sporttasche in der Tür klemmen bleibt und ich sogar einen Stehplatz mit Griff ergattern kann.
Und so bin ich am Anfang der Geschichte angekommen. Ich stehe also im Winter bei -25°C an meinem Halte- /Kaugummientsorgungsgriff. Ich mache Hausaufgaben, weil ich ja am Vortag zu kreativ dafür war und diese Kreativität mit meinen 1225 besten Freunden und den 500 Millionen potentiellen besten Freunden teilen musste. Da kann ich von Glück reden, dass die perfekte und übrigens identische Innen- und Außentemperatur die Scheiben beidseitig zufrieren lässt. So kann ich ohne Komplikationen mir aus Fusseln und alten, abgekauten Zahnstochern einen Rechenschieber bauen, ohne Sorgen haben zu müssen, dass vorbeifahrende Lehrer sehen, wie ich versuche Mathehausaufgaben zu lösen. Beim graphischen Darstellen erinnert mich jeder Graph nach einer Kurve oder einem Huckel an "Ice Age 4: Voll verschoben". Sehr kreativ, wie ich finde.
Nun komme ich nach einer Stunde vollster Entspannung an meiner Wohlfühloase namens Schule an. Der Bus kam nur 2 Minuten zu spät an. So komme ich die nächsten zehn Minuten zwar nicht in die Schule, dank einer wohl sinnvollen Regelung, aber das ist kein Problem. Ich kann das gute Wetter und die fröhlichen Menschen genießen. Da geschehen unvergessliche Momente. Jeder zweite Lehrer kommt nach einer erholsamen Nacht mit gut gelaunt herunterhängenden Mundwinkeln und Augenlidern, sowie leuchtenden Blutunterlaufenen Augen majestätisch Richtung Haupteingang geschlurft. Ich sage nur "Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los". Mann, wie ich diese Filme liebe. Nach besagten zehn Minuten kann ich "Ice Age 2: Jetzt taut's" hautnah erleben.
Das wirkliche Vergnügen beginnt für mich erst jetzt. Während Politiker mit Gleichgesinnten oder normalen Menschen sprechen, werde ich als Schüler endlich gefordert. Wie die Men in Black mit Außerirdischen kommuniziere ich mit Lehrern, oder versuche es. Das geschieht nicht auf dem Normalweg, nein. Ich habe das Privileg mit ihnen nicht nur Deutsch oder Englisch zu sprechen. Bei manchen wird nur Latein oder Spanisch akzeptiert. Die exotischsten Alleinunterhalter sprechen sogar Algebra fließend. Meine Traumsprache, da nicht einmal der Google Übersetzer sie beherrscht. So darf ich mich 360 Minuten am Tag in verschiedensten Formen der Improvisation üben.
Zwischen den einzelnen Theaterstunden gibt es sogenannte Hofpausen. In dieser Zeit genieße ich also auf dem Hof pausierend das schöne Winterwetter, was mich leider davon ablenkt, mich auf die nächste Stunde vorzubereiten. Aber das ist kein Problem. Meine Außerirdischen, äh, außerirdisch guten Lehrer vermitteln mir die Kernphysik in einem spanischen Übungstext logisch und einwandfrei in zwei halbseitigen Sätzen.
Übrigens finde ich es sehr zuvorkommend, dass die Lehrer ihre Hausaufgaben für meine Mitstreiter und mich sehr einseitig und doch komplex entwerfen, sodass ich meinen Überschuss an Kreativität mit meinen mittlerweile 1331 besten Freunden und 565 Millionen Potentiellen teilen kann. Und ich habe auch eine schöne sudokuaction-ähnliche Aufgabe für den Bus. Mit dieser Aufgabenverteilung endet auch die schönste Einheit.
So vergeht die Zeit wie im Flug. Wie der Flug eines Kampfjets und gar nicht wie der einer Blütenpolle, die mit drei Stundenkilometern nach tagelanger Reise zu Boden sinkt.
Nun folgt das traurigste Kapitel eines jeden Schultages. Die Heimkehr. Ich verlasse die Quelle des sprudelnden Lebens und begebe mich auf den Weg in die öde Welt der Freiheit. Ich versuche diesen Teil des Tages zu über- winden, indem ich mein Leid mit meinen im Moment 1472, nein, jetzt 1473 besten Freunden und 587 Millionen Potentiellen teile. So schießt das Adrenalin durch meine Adern, wie Kraftstoff in einen V12 Sportmotor bei jeder vergangenen Minute, die mich dem kommenden, abenteuerlichen Tag näherbringt.
Ich wünsche um zwei Uhr früh meinen jetzt 1517 allerbesten Freunden und den 602 Millionen Potentiellen eine erholsame Nacht. Diese erlebe ich in spektakulären 3 Stunden. Da ich noch so sehr vor Energie Strotze, bastle ich mir im Schlaf 52 1/2 Rechenschieber aus Splittern der Bodendielen und meinen nobelpreisverdächtigen Bauchnabelfusseln. Und trotzdem findet mein Körper noch genug Kraft, nebenbei meine Augen zuquillen zu lassen.
Auf diese Art endet fast jeder wunderschöne Tag meines erfüllten Schullebens. Ich freue mich auch schon auf's Wochenende, um mein Wörter- und Lehrbuch der Algebra auf niederelbischem Dialekt zu beenden.
RJK