Und da steht sie jetzt, frierend, mitten im Regen. Überdenkt alles was passiert ist, fragt sich warum die Tür vor ihr geschlossen bleibt. Sie wendet sich zum Gehen. Ihre Füße werden nass und sie bleibt zitternd stehen und verbittert, verlegen wird aus dem Schweigen ein Reden. Sie spricht, schweigt, schreit zu sich selbst, trotzdem kein bisschen befreit vom Leben. Und weiter läuft sie, zweifelt am Weg, hofft einfach, keiner sieht die Tränen. Sie denkt, sie wird das Alles nie verstehen. Viel lieber würde sie sich jetzt an ihn kuscheln. Sie stellt sich vor, nebeneinander auf dem Sofa zu hocken, mit Tee, Film, und keine Wolken, die ihre Last auf sie werfen, wo sie doch schon einen riesigen Haufen Sorgen in der einen Hand hält. Und In der Anderen nicht weniger. Sie wandelt hilflos, bis sie irgendwann zu Hause strandet. Sinnlos erscheint ihr das Ganze. So blind fühlt sie sich in dieser Situation. Mit einer warmen Dusche versucht sie seinen Duft, Geruch loszuwerden, der sie immer umgibt, den sie so gern riecht. Wenn sie ihn in ihren Armen spürt, vertieft sie sich darin. Jetzt muss sie all das zurücklassen, ablassen von ihm. Doch sie will zurück haben, was sie nie mehr haben kann. Sie geht schlafen. Sie wird von der Erschöpfung in Träume getragen. Am nächsten Tag verlässt sie das Haus im Mantel der Angst. Sie versucht den Boden unter den Füßen zu bewahren. Sie fühlt sich betrogen in den Schuhen, die noch nass waren vom gestrigen Abend. Ihre Freunde sagen Sachen, die sie alle dachte, schon bevor sie aufgewacht war. Doch Träume sind nicht Hoffnung tragend, nicht zu beachten. Und die Tage verstreichen. Die Weichen sind verstellt. Sie verschwindet, flüchtet. Irgendwo wird sie schon ankommen. An unbekannten Orten würde sie längere Zeit bleiben, doch der kalte Regen vertreibt ihre warmen Gedanken. Es bleiben nur die Alten. Sie reist weiter bis der Zweifel sie versteifen lässt. Sie führt Gespräche mit dem Ein oder Anderen. Sie hört Meinungen, die ihre Gedanken wandern lassen. Der Regen holt sie ein. Der Regen, der Erinnerungen wach macht. Wie sie sich wünscht, sie blieben ungedacht. Sie weißt, dass sie nicht so weiter machen sollte. So, unbefangen doch entschlossen, wartet sie auf die Weinende Last der Wolken. Sie bereitet sich darauf vor, dass der Regen die warme Luft zerreißen wird, bis beißende Kälte ihre Seele füllt. Sie stürzt der dunklen Front entgegen, wird umhüllt vom Wasser, glaubt ihren Gefühlen nicht. Was sie fürchtete, trägt, umschließt sie wärmend. Warmer Regen, der Ruhe und Kraft gibt, Segen versprüht. Kälte, die sie bis eben verspürt hat, vergeht. Sie schwebt zurück in ihr wirkliches Leben. Sie wird es überleben, wenn sie ihm, der sie nicht mehr sehen wollte, begegnet. Sie kann nicht sagen warum sie ihm verzeiht. Sie weiß eben, sie bleibt am Leben, im Leben, auch allein im Regen.
RJK
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