Samstag, 5. Oktober 2013

Live your heart and never follow

Ich sage immer
Wenn dir der Fechtboden des Geistes reicht und du dort sicher stehen kannst, ist das schön.

Doch wenn du das tosende und stürmische Meer des Gefühlschaotismus brauchst, 
dann ist jede mentalrationale Grundmatte das Niederschmetterndste, das es in Deinem Leben geben kann.
Einige mögen gut damit klar kommen, sich nach Niemandem zu sehnen.
Aber ich habe immer mehr das Gefühl, etwas zu wollen, dass ich in meinem jetzigen Leben nie erreichen, geschweige denn, behalten kann oder werde.
Einen Menschen, der meinen Ansprüchen genügt und diese sogar übertrifft, mich wirr im Kopf macht.
Einen Menschen, der mich fasziniert und sich mehr als alle anderen von der Masse abhebt.
Diese Menschen gibt es überall. Ich kenne sie, mehr oder weniger.
Aber sie sind außerhalb meines erreichbaren, jugendbeschränkten SofaKosmos...

Wer ist sauhübsch, macht, was ich mag, wohnt in sonst wo, ist intelligent und zwischen 2 und 7 Jahren älter als ich.? Ja. und ne Menge andere Menschen, denen ich nichts bedeute oder die nicht einmal wissen, dass ich existiere. Und das ändert sich auch nicht.
Alles ist eingefahren.
Meine Freunde, die Gruppierungen, der Jahrgang, die Schule, die Stadt, die Menschen.
Stagnation.
Stagnation.
Deutschland.

Fuck Nation.
Aber irgendwie macht man ja doch mit.
Das ist fast so schlimm wie Hipstertum. Doch wenigstens das ändert sich immer ein bisschen. Hashtag geilon:
Instagram mit nem Einhorn. Das digitale Polaroid der Zukunft. Aber hey:
Sind wir nicht alle Adam und Eva.?
Nackt, schauen uns im Spiegel an.
Er mit Kopfhörern, sie mit Kippe, posen wir für Instagram,
Hashtag Selfie und grinsen dann
So breit wie Bob Marley und Kurt Cobain zusammen
Und wenn wir mal finster schauen
Hashtag Instagrauen
Man passt sich halt an,
Neeeeein. Weit gefehlt.
Man erweitert sein Spektrum um jeden möglichen Milimeter Weitwinkel, um auch nur so weltoffen wie möglich zu scheinen! Dabei will man doch nur geliebt, geliked und gefollowed werden.
Ist das denn zu viel verlangt lieber weißer ObstGott.? Ich sektire dich an, seitdem meine Erzeuger mich nur noch mit Iphone glücklich sehen. Ich verehre deine edlen mattmetallenen Kurven, seitdem ich zu viel Geld habe. Und ich habe extra so eine KugelschreiberFeder um das Ende meines MacBookLadeKabel gewickelt, damit sich kein Bruch zwischen mir und meiner Konsumzufuhr auftun kann.
Und was habe ich davon.?
Zwangsprostitution durch den eigenen Geist. Ich habe es ja selbst so gewählt. ICH bin doch selbst dafür verantwortlich.
Hier stehe ich, ich kann nicht anders.
Sagte die Welt und postete einen Cupcake nach dem anderen Hohlspiegelselfie.
Warum das Ganze? Warum wird gerade DAS aus uns, aus der Schöpfung eines längst gestorbenen Gottes. Oder aus der aufstrebenden, fortschrittlichsten Art, die je aus der Evolution hervorgegangen ist. Und wenn die Theorie stimmt, das unser gesamtes Leben nur ein Videospiel ist, dann hat der Zocker da draußen keine Ahnung von Sims. Oder er legt es darauf an uns alle umzubringen. 
Schon grotesk, wie sich Leute vom Materialismus beeinflussen lassen.
Sagte mein PseudoPhilosophieTumblrBlog.

Wenn man alles hat, was   will   man   mehr. 
Aber ehrlich, was ist denn Alles. Wenn ich bei Amazon alles eingebe, sind die ersten Ergebnisse ein 'Luxuriöser BH mit Bügel und weichen vorgeformten Cups'. Soll das Alles sein?
Ebay will mir Edelstahlschornsteinrohre der Stärke 0,6mm verkaufen und direkt danach einen Teil der Twilight Saga. 
Soll dieser ganze Mist Alles sein?
Lassen wir das. Selbst Wdie NSA hat keine Antwort dazu gespeichert. Ich glaube, ich downloade mir mal ne neue App, um auf andere Gedanken zu kommen...

Und während wir alle zwischen aufgewirbelten, weiß tobenden Wellenkämmen im Emotionschaosmeer versinken, haben wir keinen Fechtboden des Geistes, der uns von unserem Traumataähnlichen Leben auffängt.
Aber wer will denn Absicherung, wenn man Depressionen bei Tumblr und Pinterests Inspirationswochen wunderbar verarbeiten kann und wenn man nach einem Jahr Gereblogge genug davon hat, ach was rede ich, warum sollte man von seinem Lebenssinn die Nase voll haben?
Wenn man nach einem Jahr zurückschaut auf den Auslöser für diese endlos lange Zeitverbrennung, die man selbst angefacht hat, sieht man:
Die Verschwendung ging von einem Vorfall aus, der eigentlich keine große Bedeutung hatte.
Nur weil ich mit der Welle schwamm, damals, und um ein Uhr 45 nachts ein Poetryslamtext geschrieben habe, weil ich verarbeiten musste, dass es hier niemanden gibt, der mich wirklich versteht und mich so annimmt, wie ich bin. Weil so etwas in meinem damaligen Leben für mich unvorstellbar bis unmöglich gewesen wäre.
Jetzt werde ich mein Leben grundlegend verändern.
Jetzt, sofort, immediately, nachdem ich noch schnell Blaubeeren, Tigerbabys und PseudoLiebesWeisheiten gereblogged habe.
Jetzt geht es mir gut, ich bin müde vom ganzen depressiv sein.
Ich geh schlafen,
poste noch schnell
Live your heart and never follow,
Natürlich eine nice Line aus einem vorveröffentlichten Track von genauso unbekannten wie guten Musikern. Halt irgendein Boy mit Mikro.
Das mit dem Leben ändern mach ich dann gleich Morgen, so zwischen Selfiesunday und der Suche nach meiner Hashtag Traumfrau.


RJK

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